Individuell reisen durch Chile – aufregend, anspruchsvoll und beeindruckend!

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Der erste Morgen auf der Fähre mit einer unglaublichen Stimmung mitten in den Chilenischen Fjorden.

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Begleitet wurden wir wieder von den großartigen Albatrosen.

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Sie brauchen zum Starten ein wenig mehr Wind, dieser  Albatros hatte Probleme abzuheben.

13. Januar am Nachmittag.

Seit neun Stunden befindet sich die Fähre tatsächlich in Fahrt Richtung Puerto Montt, 24 Stunden später als die planmäßige Abfahrt. Bis hierhin ist allerlei interessante Zeit vergangen. Gestern um 12 Uhr fand ich mich am Fähranleger ein, sowie alle anderen Passagiere auch. Schon beim Ankommen merkte ich, dass da etwas nicht stimmen konnte. Draußen vor dem kleinen Navimag Gebäude standen Gepäckstücke herum, überall wurde diskutiert. Drinnen kam ich gar nicht erst hinein und alle sprachen Spanisch, sodass es auch wenig Sinn gehabt hätte mich durch zu drängeln. So begab ich mich wieder nach draußen, schaute mir die Monster Fähre von weitem an, wartete erst einmal ab.

Schon am Vorabend sprach mich ein junges Paar an; wir sind uns schon einmal begegnet! Ich hatte keine Idee wo dies sein konnte. Auf meiner Trekkingtour zum Fritz Roy überholte ich immer wieder ein Paar, dass mit großen Backpacker samt Zelt unterwegs war. Wenn ich stehen blieb oder Fotos machte, zogen sie wieder an mir vorbei, bis ich doch etwas schneller war, nur mit meiner Kamera war dies leichter für mich. Bei jedem Überholmanöver lachten wir uns an. Nun sitzen wir gemeinsam auf dieser Fähre. Anna und David leben in New York City, David stammt von einer Kolumbianischen Mutter und einer Großmutter aus Guatemala ab, so spricht er perfekt Spanisch und Englisch; für mich der perfekte Übersetzer. Durch ihn erfuhr ich auch die neue Sachlage.

An diesem Tag, also dem 12. Januar würden wir nicht mehr losfahren. Die Fähre konnte erst heute Morgen wegen des Sturmes anlegen. Drei Versuche brauchte sie dazu, einmal kurz davor das Militärschiff zu rammen. Der Rumpf ist jetzt noch komplett gefüllt, allerdings kaum mit Fahrzeugen. Große weiße nach Fisch stickende Säcke befinden sich in diesem riesigen Schlund des Schiffes, allesamt mit Krill gefüllt. Ihre Bestimmung sind Lachsfarmen in der Gegend von Puerto Natales. Große Lastwagenhänger wurden bis zur späten Nacht beladen. Erst danach konnte die Fähre mit Autos und anderen interessanten Gefährten bestückt werden.

Nach einer Weile durften wir an Bord gehen, die Nacht sollten wir dort schon verbringen, obwohl wir erst am nächsten Morgen starten wollten; so war dies eigentlich schon einen Tag vorher an geplant. So zottelte ich mit meinem schweren Technik Rucksack und meinem Rollenrucksack in diesen fischigen Schlund hinein. Kabine 623 sollte die meine sein, meine große Tasche wurde mir zum Glück in die Kabine gebracht, während ich bis in den 6. Stock die Treppe hinauf kletterte.

Was für eine Überraschung, die Kabine hat ein großes Fenster und eine junge Französin saß auf dem Einzelbett und lächelte mich an. Da ich so ziemlich die letzte war, wurde uns schnell klar, dass wir nur zu zweit bleiben würden. Diese Tatsache entspannte mich sehr schnell, auch das Fenster tat einiges dazu. Unser Blick geht über die offene Ladefläche am Heck hinaus und das sechste Stockwerk ist gleichzeitig mit unseren Kabinen das höchste und somit mit der Brücke zur anderen Seite verbunden. Nicht gerade alles ist im besten Zustand, doch Platz haben wir genug darin und ein Waschbecken auch, der Rest ist außerhalb.

Nach einem ersten Lunch durften wir das Schiff wieder bis Mitternacht verlassen, was ich sehr zügig auch tat. Die Vorstellung die nächsten vier Tage nur auf diesem Schiff zu verbringen, ließ mich schon etwas erschauern, auch wenn ich eine grandiose Landschaft zu sehen bekommen würde.

Heute, am 13. Januar hat auch mein Sohn Patrick Geburtstag, danach haben alle meine fünf Kinder ohne mich ihren Geburtstag gefeiert. Auf dem Schiff soll es kein Internet, auch kein Netz geben. So wollte ich noch ein Video mit meinen Glückwünschen aufnehmen, auch um acht Uhr meinen nächtlichen Geburtstagstelefonat versuchen. Deutschland ist vier Stunden weiter in der Zeitrechnung.

Meine Zeit verbrachte ich erst mit einem Spaziergang in die andere Richtung der großen Bucht. So entdeckte ich eine Art Galerie in einem ziemlich herunter gekommenen Fabrikgebäude. Große Gemälde und Fotografien aus Südpatagonien wurden dort ausgestellt. Anregend fand ich die einfache Art der Präsentation, die ich gleich für etwaige Galerieshop Center gespeichert habe. Obwohl es an Bord ein Dinner für uns gab, entschied ich mich auch dagegen. Gerade diesen Abend wollte ich für mich genießen und in ein schönes Restaurant gehen, aber wohin?

Wieder brachte mich meine Spürnase ohne Reiseführer Studium in ein Restaurant mit einer seltsamen Kombination, das „Afrigonia“. Afrika und Patagonien, wie geht das zusammen? Auf den Tischen waren die Servietten in die sehr typischen Afrikanischen Tierserviettenringe, die ich noch aus Namibia kenne, dekoriert. Die Farben und die Wanddekoration erinnern eher an Afrika. Es sah jedenfalls sehr einladend aus und die Menu Karte gefiel mir sehr.

Sehr freudig und in perfektem Englisch wurde ich an meinen Tisch geleitet. Lammkrone in Minze Sauce, ja das war genau das Richtige für diesen Abend, zuletzt in New Seeland gegessen. Hat mir das gut geschmeckt und mich für die letzten Tage versöhnt. Mein Sohn war nicht erreichbar, doch zwei Videos konnte ich von dem Restaurant mit Internetanschluss versenden. Ich hielt mich mit einem Glas Rotwein mehr ziemlich lange dort auf, verließ diesen gastlichen Ort gut gestärkt erst gegen 23 Uhr und ging schnellen Schrittes in den dicken Bauch meiner neuen Bleibe.

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In den weißen Säcken befinden sich Unmengen an Krill für die Lachsfarmen – herrlicher Geruch!

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Hier war allerdings überhaupt nicht an Ruhe zu denken, jetzt wurde das Schiff wieder beladen. Oben in meiner Kabine angekommen konnte ich auch schnell sehen mit was. Ich traute meinen Augen kaum. Gerade wurde der zweite Hänger voll gestopft mit Kälbern und Rindern direkt unter meinem Kabinenfenster abgestellt.

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Diese armen Tiere verbrachten mit uns zusammen vier Tage an Bord ….

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… für uns war am Schluss der Gestank unerträglich und für die Tiere ihre Enge!

Mit meiner Kabinennachbarin bestaunten wir diese armen Tiere, konnten den Anblick kaum aushalten, so dicht aneinander gedrängt sollen diese Tiere nun die nächsten vier Tage überstehen. Vielleicht waren sie auch schon seit ein paar Tagen unterwegs? Damit war nun allerdings noch nicht Schluss, noch ein Wagen und noch einer ….., zu müde legte ich mich in meine Koje. Unter mir rumpelte es die ganze Nacht, sodass ich mir zum ersten Mal die Schaumstoff Ohrstöpsel in die Ohren steckte. Nicht wirklich besser schlief ich mit diesen komischen Dingern ein.

Um sechs Uhr morgens änderte sich das Geräusch. Zu müde von der unruhigen Nacht versuchte ich dies erst zu ignorieren, doch wie ist das immer mit mir, wenn ich einmal wach bin? Richtig, aufstehen, nach schauen was los ist ….!

Tatsächlich, die Fähre befand sich nicht mehr im Hafen, sie fuhr schon eine kurze Weile, Puerto Natales war nur noch als ein Streifen am Horizont zu erkennen. Nichts wie raus jetzt. Leise zog ich mich an und ging wieder warm eingemummelt nach draußen. Nur ein paar einzelne Gestalten liefen umher.

Eine schöne wolkenreiche Stimmung, durchzogen mit dem Morgenlicht herrschte über der Inselreichen See. Ein paar experimentelle Fotos machte ich, die eher für Schwarz – Weiß geeignet sein könnten. Albatrosse und Giant Petrels schwammen neben dem Schiff bis sie ausweichen mussten. Um sich aus dem Wasser zu erheben, müssen sie Anlauf nehmen, indem sie ihre Füße über das Wasser paddeln und mit genügend Schwung und Seewind erheben sie sich daraus.

Kurze Zeit später fuhr das Schiff durch eine unglaubliche Meerenge, gerade einmal ein paar Meter zwischen Felsen und Rumpf. Dieses Monster dort hindurch zu manövrieren ist schon wegen der Länge des Schiffes eine große Herausforderung. Kein Wunder, dass wir bei diesem Sturm nicht rechtzeitig abfahren konnten.

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Durch diese Meerenge manövrierte sich das Schiff ohne Schaden zu nehmen!

Inzwischen hat sich das Wetter leider sehr verschlechtert, es regnet immer wieder und die Sicht ist stark vernebelt, sehr schade für die großartigen Fjorde, die ich eigentlich sehen wollte. Den Tag verbringe ich zwischen draußen mit nass werden und vielen Gesprächen mit sehr interessanten Menschen hier an Bord. Weltreisende, Langreisende, Dauerreisende befinden sich hier zahlreich, scheint eine spezielle Tour für Langreisende zu sein. Auf Chiles Seite kommt man allerdings auch nur mit dieser Fähre in den Norden. Eine Straße führt nur zurück über Argentinien in den Norden.

Den ganzen Tag ziehen Bergmassive in graublauen Schatten an mir vorbei, es könnte sehr schön aussehen mit blauen Himmel. Vielleicht morgen!

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Immer wieder denke ich darüber nach schneller nach Peru zu reisen. Die Natur in Patagonien ist wunderbar, doch sie zu erkunden geht am Besten mit langen Trekkingtouren. Die Zeit und das Equipment fehlen mir hierzu und meine Fotoausrüstung ist dafür einfach zu schwer. Tagestouren mache ich sehr gerne, wenn ich einen Teil meiner Ausrüstung sicher ablegen kann. Entscheiden muss ich mich zum Glück noch nicht, nur etwas vorbereiten, wohin es die nächste Zeit gehen soll.

17. Januar in Puerto Varas

Entschieden habe ich mich einen Tag zu spät, nachdem ich eine sehr schlechte Nacht in Puerto Montt verbrachte, obwohl ich nur 10 Minuten von meinem jetzigen Ort mich befand.

Dazwischen liegen nun schon wieder ein paar Tage, ausgefüllt mit eine großen Tüte neuer Erfahrungen, die mich nun wieder einmal um so einiges reicher machen. Besonders für das Weiterziehen werden mir diese Erfahrungen weiterhelfen und mich vor allem um einiges mehr entspannen.

Entspannung war die letzten zwei Wochen für mich ein sehr spezielles Thema, kam ich doch ständig am meine Grenzen des Aushaltbaren! Schlafdefizit ist seit ein paar Wochen mein Hauptenergie Killer. Auf der Expedition in die Antarktis gab es zwei Faktoren, die mich darin hinderten wirklich zur Ruhe zu kommen. Zum einen befand ich mich in einem Level der Begeisterung, der mich nicht lange schlafen ließ, zum anderen hatte ich große Unruhe in meiner geteilten Kabine.

Danach, inzwischen zwei Wochen, befand ich mich nicht wirklich in angenehmer Atmosphäre. Eigentlich schlief ich seitdem nie an einem ruhigen Ort, entweder waren es Straßengeräusche oder ich war nicht alleine. Richtig, da war doch der Hahn, der mich jeden Morgen um kurz vor fünf Uhr weckte. Auf der Fähre war es zu keiner Zeit ruhig, die Motorengeräusche halten durch die ganze Nacht, auch meine Ohrstöpsel halfen mir nicht wirklich. Keine Ahnung, wie es meine Kabinennachbarin schaffte fast die ganze Zeit zu schlafen? Doch der Höhepunkt war meine Nacht im Hostel in Puerto Montt, die Nacht, die ich mit 10 Minuten Weiterfahrt hätte verhindern können, wenn ich etwas aufmerksamer in meinem Travelguide auf meinem Iphone gelesen hätte. 10 Minuten weiter wäre ich hier in Puerto Varas gelandet.

Selbst wenn ich diese Nacht nicht geschlafen habe, neue Erfahrungen habe ich in jedem Fall gesammelt, besonders die der unglaublich hilfsbereiten Chilenen. Ich möchte nicht missen, was ich an diesem Morgen erlebte.

Völlig erschlagen von dieser unruhigen Nacht im Hostel in Puerto Montt stand ich sehr früh auf. Nicht nur in der späten Nacht waren die Geräusche aus der Küche direkt an meinem Kopf, auch am frühen Morgen klapperte das Geschirr, als sei es in meinem Raum, mein Zimmer schien mir nur aus Pappe zu bestehen. Jedes Klingeln in der Nacht, jedes Wort halte an mein Ohr, Treppenlaufen über mir inklusive.

Wären die Menschen nicht so unglaublich liebenswürdig gewesen und mein Abendbrot, das eher ein Nachtmahl war, nicht unglaubliche 5 € wert und super liebevoll gekocht gewesen. Salat mit Chickenfilet und zwei Glas Wein, wäre meine Freundlichkeit wahrscheinlich zu Eis gefroren. Am Morgen wollte ich nur weg aus dieser Stadt, hatte mir auch schon eine Bleibe in Puertos Varas gebucht, nichts ahnend, wie weit weg dies von meinem jetzigen Ort sei!

Por favor, un taxi ……! Nicht nötig, Autobus gleich um die Ecke!

Ich schaute etwas ungläubig, sodass mich eine der Frauen aus dieser großen Familie zum Bus begleitete, gleichzeitig zog sie meine große Tasche. Mehrfach symbolisierte ich ihr, dass dies nicht nötig sei, doch bestand sie darauf, bis ich direkt vor dem kleinen Bus stand! Nie vorher gesehen, doch unsere Umarmung war unglaublich herzlich und schon saß ich in einem Minibus ohne zu bezahlen, meine Tasche saß auf ihrem eigenen Platz, obwohl es immer voller wurde. Jedes Mal, wenn ich versuchte sie herunter zu nehmen, wurde ich durch freundliches Abwinken daran gehindert. Ja, und nach 10 Minuten war ich an einem wunderbaren Ort gelandet, fand auch durch meine Galilieo App den richtigen Ausstieg und stand 3 Minuten später vor meinem neuen B&B! Geht dies nun noch einfacher?

Ein ziemlich kurzer Ärger über meine doch immer wieder währende Unbedarftheit ließ mich freudig an dieser Tür klingeln, abgeschlossen ist in Chile fast jede Tür.

Herzlich empfangen wurde ich durch einen sehr charmanten graumelierten Herren, der Besitzer dieser Bleibe. Wie er mir versicherte, liebt er diesen Ort sehr, entsprechend freudig und überschwänglich führte er mich in mein Zimmer.

Nun sitze ich schon zur zweiten Nacht in diesem Raum mit direktem Fenster zur Straße, alles unglaublich liebenswürdig, doch nicht wirklich ruhig. Ohrenstöpsel sind immer noch gefragt.

Morgens, wenn ich in den Spiegel schaue, bekomme ich seit geraumer Zeit doch einen Schreck. Die Augen leuchten noch, doch ziemlich auf Sparflamme, drum herum sieht’s düster aus, wäre da nicht mein Teint von der Dauersonne seit Monaten!

Noch habe ich viel nachzuerzählen, meine Konzentration lässt gerade völlig nach, hoffe auf Morgen!

19. Januar, noch in Puerto Varas.

Mit geöffnetem Fenster und den Blick auf den Lago Llanquihue, für mich ein unaussprechlicher Name, sitze ich heute an einem kleinen Schreibtisch, persönlich von dem Grandseigneur meiner Bleibe zur Verfügung gestellt, immer besorgt um mein Gutergehen. Schreiben und hoffentlich auch veröffentlichen, wenn das Internet stark genug ist.

Von Puerto Varas habe ich an den zwei vergangenen Tagen Ausflüge mit dem Bus oder Schiff unternommen, wie immer viel erlebt. Seit meiner Antarktika Tour lerne ich besonders viele sehr nette Menschen kennen. Dieser südliche Teil unserer Welt wird besonders von sehr individuellen Menschen weltweiter Herkunft bereist.

Genau diese meist Abenteuer lustigen Menschen trafen auf dieser unglaublichen Fähre zusammen, jeder sehr individuell reisend. Mit dem Motorrad, einem ausgebauten 4×4 Jeep, als Trekking Tourist, Senioren mit wissenschaftlichen Hintergrund, junge Studenten oder gerade nach dem Master ein Sabbatical Jahr machend, dazwischen ich als Allein reisende Fotografin! Was für eine Mischung kam da zusammen, Geschichten und Tipps wurden reichlich ausgetauscht.

Besondere Freude bereitete mir, Anna und David aus New York wieder getroffen zu haben, auf einer Trekking Tour in El Chatten begegneten wir uns zum ersten Mal. David hatte auch noch am 15. Januar Geburtstag, den wir auf eine sehr lustige Weise gemeinsam feierten. Absolutes Alkohol Verbot bestand auf dieser Fähre, im Reiseführer steht eher etwas von alkoholischen Exzessen! An diesem einem besonderen Tag hatten wir zum ersten und letzten Mal schönes Wetter. Daher saßen viele Sturmfähige Menschen am vorderen Deck und ließen sich den Fahrtwind von 13 Knoten um die Nase wehen, so auch David und Anna. Sie genossen die Sonne zusammen mit ihrer Thermoskanne, Inhalt top Secret! So wurde ich kurz vor unserem Dinner zur Geburtstagsparty in Kabine 615 eingeladen, aus Plastikbechern trinkend stießen wir mit Chilenischen Rotwein auf David an, heimlich macht dies gleich viel mehr Spaß. Mit großer Sicherheit waren wir nicht die Einzigen auf diesem Schiff. Eine warme und herzliche Unterhaltung begleitete diese Zeremonie, beide machen eine acht monatige Pause, Lehrer in NY mitten in Brooklyn, gleichzeitig auch ihre Hochzeitsreise. Diese Möglichkeit besteht in Amerika für die Lehrer einer stattlichen Schule alle paar Jahre, in Österreich alle fünf Jahre. Gaby und Peter reisen gerade mit ihrem Jeep durch Südamerika, ebenfalls auf dieser Fähre.

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Treffpunkt am windigen Vordeck.

Weitere intensive Gespräche führte ich mit einem reizenden älteren Ehepaar aus der Nähe von Paris, Beat mit seiner charmanten Frau Jacqueline. Beat ist ein gebürtiger Schweizer, sprach gleichzeitig mehrere Sprachen, sein Beruf, ein Geoarchitekt hat ihn um die halbe Welt gebracht. Unzählige interessante Geschichten erzählte er mir auf diesem eher langweiligen Trip durch die Fjorde, das schlechte Wetter verschloss uns den Blick darauf und am einzigen schönen Tag waren wir mitten auf dem Meer. So war diese Fährfahrt eher eine Kontaktschmiede. Inzwischen habe ich eine große Menge Adressensammlung, die ich für spätere Reisen gut aufbewahre, ebenso viele Einladungen nach Hamburg habe ich verteilt – wer wird wirklich einmal kommen?

Die Kabine auf dieser Fähre teilte ich mir mit Audrey, einer sehr jungen Masterabsolventin aus Paris, die sich nach dieser anstrengenden Zeit ein Sabbatical Jahr leistet. Meine Frage nach einer guten Arbeit danach beantwortete sie mit einem klaren ja, kein Problem!

Wir beide waren sehr froh unsere Dreier Kabine zu zweit nur teilen zu müssen. Ich hatte zu Anfang keine Ahnung mit wem ich es zu tun haben werde. Noch nie ist mir eine so durchstrukturierte und akkurate junge Frau zwischen meinen vielen Kindern und ihren Freunden begegnet. Auch sie reist für ein Jahr um die Welt, nicht ganz so viele Stationen wie ich, doch auch nur mit einem Rucksack und ohne 12 kg Technik, nur ihr Iphone ist mit dabei.

Jedes Teil, dass sie besaß wurde sorgfältig gefaltet und gerade abgelegt, ihren sehr sauberen Rucksack, seit August ist sie unterwegs, wird, nachdem er auf dem Fußboden stand abgeklopft ….., unwichtig, doch auch ihre nächsten Stationen wusste sie schon auswendig im Voraus. Natürlich fragte sie mich nach meinen Plänen, entsprechend staunend und wohl auch etwas bemitleidend schaute sie mich an, als ich ihr nur den kommenden Hafen nannte, der nächste Schritt kommt dann. Doch den Höhepunkt ergab für mich ihre Antwort, als ich von etwaigen Stationen erzählte, so wie Bariloche, den ich in sauberen Französisch aussprach. In einer sehr unfreundlichen Art versuchte sie mir klar zu machen, dass ich es Spanisch und zwar so wie es geschrieben wird auszusprechen habe. Was für eine Enge und Rechthaberei!  Auch sie hatte Schlafmangel, der durch ständigem Verdunkeln unserer Kabine ausgeglichen wurde, egal ob ich dort hinein wollte. Ich liebe auch eine gewisse Ordnung, mein kleines Gepäck hat ebenfalls ein bestimmtes System.

Ok, jedem das Seine! Genügend Menschen um mich herum gaben mir genau das Gefühl des Losgelöst seins von allen festen Konstruktionen in unserem teilweise komplizierten Leben – die Freiheit der Spontanität!

So verbrachte ich mehr die Zeit an Deck, eingemummelt wieder einmal in meine warme Daunenjacke, den Wind um meine Nase blasend. Zu weit nach hinten durfte man nicht gehen, die armen Tiere in den großen Hängern standen in ihrem eigenen Dreck, der täglich Natur gemäß mehr wurde. Das Futter wurde ihnen von oben hinein geworfen, Wasser in Tonnen gefüllt, die im Inneren der Hänger standen. Jeden Tag lagen immer mehr Tiere am Boden. Zuletzt konnte eines der Pferde nicht mehr aufstehen und eine Kuh war bereits Tod. Was für ein Horror! Erklärt wurde mir dieses mit der Tatsache, dass im Süden von Chile im Sommer die Wiesen nicht genug Futter hervorbringen, zu kalt. So bringt man sie jeden Sommer auf Farmgelände in wärmere Regionen.

Warum hält man sie überhaupt so weit im kalten Süden?

So landete ich über meinen Umweg des lauten Hostels in Puerto Montt schließlich hier in Puerto Varas und wer lief mir gleich am Abend über den Weg, Anna und David aus NY! Was für eine überraschende Freude, ein wirklich sehr interessantes und nettes junges Paar.

Für den nächsten Tag habe ich mir sehr mutig einen touristisch geprägten Ausflug in den National Park Vincente Perez Rosales bis nach Peule gebucht. Mutig deshalb, weil ich diese Art des Reisens überhaupt nicht ausstehen kann. Ohne eigenem Auto kommt man hier allerdings nicht sehr weit und nicht überall fahren die Linienbusse hin. Also habe ich in den sauren Apfel gebissen, bin morgens um acht Uhr in diesen Bus gestiegen und verlebte einen herrlichen Tag mit dem Bus, einer Katamaran Tour und meiner eigenen Wanderung. Die Transportmittel nutze ich, das restliche Programm überlasse ich den anderen.

So wanderte ich völlig alleine zu einem kleinen Wasserfall, hatte dort unter einer zarten Dusche mein Lunch und genoss den atemberaubenden Blick auf die vielen Vulkane um mich herum, der bekannteste und am meisten erkletterte ist der Vulcano Osorno. Die Katamaran Tour verlief auf dem herrlich grün schimmernden Lago los Santos, immer wieder mit neuen Ausblicken auf das fantastische Vulkanreiche Lago Destrict und dies bei herrlichstem Wetter.

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Mein touristischer Ausflug zu den Vulkanen ….

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Vulcano Osorno

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Herrliche Blicke auf die Anden …..

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Wo kommen nur diese Hortensien her?

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Mein Picknick Platz am kleinen Wasserfall.

Für den kommenden Tag hatte ich mir einen ganz speziellen Ort ausgesucht, Frutillar, eine ganze Stadt hat sich der Musik verschrieben. Doch besonders für mich als Deutsche war ihre Geschichte ein sehr interessanter Einblick in die Vergangenheit. Im 18. und 19. Jahrhundert wanderten viel Deutsche in diese Region nach Chile und Argentinien aus. Die Spuren dieser Geschichte verfolgen einem auf Schritt und Tritt besonders in Frutillar. Sogar ein Museum, angeblich das Beste dieser Art, beherbergt eine alte Mühle, ein Landhaus und eine Schmiede, doch der ganze Ort ist von diesem Baustil geprägt, einem Baustil, der in Deutschland im Schwarzwald zu finden ist. Daneben hat sich noch eine andere, doch sehr vergangene Kultur breit gemacht, die der Gartenzwerge! Es scheint so zu sein, dass wir Deutschen mit diesem Kulturgut verbunden werden, auch in Kalifornien bin ich diesem schon einmal begegnet. Schauderhaft hässlich, daher schon wieder interessant!

Nein, dies ist heute nicht mehr unser Kulturgut, welch ein Glück, auch wir haben uns weiter entwickelt.

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Mein neuer Freund der Zwerg!

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Deutsches Kulturgut …..

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Nach Frutillar gelangte ich wieder mit dem kleinen Regionalbus, eine Stunde Fahrt für 1.20 €. Empfangen wurde ich bei bestem Wetter mit einem grandiosen Blick über den Lago Llanquihue auf den Vulcano Osorno mit seiner Schnee bedeckten Spitze. Ich wanderte an der kleinen Strandpromenade bis zur großen neuen Musikhalle, begleitet durch einige kleine Musik Gruppen, die auf extra dafür gebauten kleinen Bühnen oder Pavillons klassische Musik spielten. Am frühen Abend setzte ich mich unter einen Sonnenschirm bei Alessandro, einem italienischen Lokal in der Musikhalle und trank einen Aperol Sprizz. Neben mir saß ein sehr apartes Chilenisches Paar, die neugierig auf mein Getränk wurden. So kam ich auch mit ihnen ins Gespräch. Wie sich heraus stellte konnten wir uns in perfektem Deutsch unterhalten! Endlich traf ich einmal auf genau so eine Auswanderer Familie.

Gisela wurde in Chile geboren, ihr Mann Edi (sorry Gisela, ich habe den Namen nicht wirklich gut verstanden) noch in Deutschland. So bekam ich einige interessante Einblicke in das Leben einer Deutschen Familie mit multikulturellem Hintergrund. Leider war unsere Zeit zu kurz, ich musste noch den letzten Bus um neun Uhr abends erreichen.

„Gisela, falls Sie dies hier lesen. Schade, wir haben nicht einmal ein gemeinsames Foto. Ich danke Ihnen für das für mich sehr bewegende Gespräch. Freue mich von Ihnen bald zu hörenund auf einen Besuch in Hamburg“!

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Deutsche Auswander Geschichte ….

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Vulcano Osorno als Kulisse …

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Das Theater, Bauzeit 10 Jahre!

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Stranldeben gleich nebenan.

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Popkorn gegen den Strandhunger.

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Frutillar hat auch eine wunderschöne Seebrücke.

An der Bushaltestelle stand schon eine riesige Schlange, die niemals in einen dieser kleinen Busse passte. Ohje, hoffentlich komme ich da noch mit. Im Warten kam ich in ein Spanisch – Englisch – Handzeichen Gespräch mit zwei jungen Frauen, die mir versicherten, dass ich an der richtigen Stelle stehen würde.

Ein Bus bog in unsere Straße, Handzeichen dieser Beiden ließ ihn direkt vor uns halten und schon schoben sie mich mit hinein. Niemals wäre mir dies alleine eingefallen, von allen Seiten wurde kräftig gedrückt! So landete ich müde und tieferfüllt von diesem Deutsch – Chilenischen Geschichtsunterricht wieder in Puerto Varas in meinem B&B, lud noch meine Fotos herunter, bis mir die Augen zufielen.

Am Nachmittag in Frutillar habe ich mich bei meinem Lunch intensiv damit beschäftigt, wie ich weiter reisen möchte. Die Zeit wird knapp für das Programm, welches ich einst geplant hatte. Tief versunken war ich in meinen „Peru“ Lonley Planet Reiseführer, gespeichert auf meinem Iphone, die Augen taten mir nach einiger Zeit des Starrens auf den kleinen Bildschirm weh. Die Faszination dieser uralten Geschichte hat sich bei mir tief eingedrungen. Ja, da will ich so schnell wie möglich hin, Patagonien ist wunderschön, herrlich als Trekking Tourist zu erforschen – ich brauche wieder mehr fremdländische Kultur, Futter für meine Neugierde auf das Fremde.

So habe ich heute Morgen, nachdem ich über diesen Entschluss noch eine Nacht geschlafen habe beschlossen, einen großen Sprung in den Norden von Chile zu machen, Argentinien mit dem wunderschönen Bariloche auszulassen und nach Valparaiso oberhalb von Santiago zu fahren. Eine endlose Nachtfahrt mit dem Bus habe ich heute für die morgige Nacht gebucht, eine Tagestour gibt es von hier nicht. Wieder wird sich mein Schlafmangel verstärken und Valparaiso ist nicht gerade eine Stadt in der man sich erholen kann, doch ein Muss für einen Chile Besuch. Sicher werde ich viel zu berichten haben.

Noch immer sitze ich an meinem mir zugewiesenen Schreibtisch bei offenem Fenster, eine Lunchpause habe ich mir schon gegönnt. Für morgen muss ich mir noch etwas überlegen, nur in dieser Stadt zu bleiben ist zu langweilig. Ein paar Fotos werde ich noch hochladen und dann ist genug „gearbeitet“ für heute!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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