Buenos Aires, meine ersten Schritte in Süd Amerika.

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Buenos Aires auf dem Plaza del Congreso und seine vielen Tauben.

Gestern, heute …, der 30. November, mein Abreisetag machte mich doch etwas nervös. Wieder ein großer neuer Schritt ins Unbekannte. Bin ich erst unterwegs legt sich dies sehr schnell, doch vorher musste ich noch rechtzeitig mein Auto im Irgendwo in Auckland abgeben, rechtzeitig zum Flughafen kommen, nichts ahnend, dass ich dort noch lange warten würde. Alles hat perfekt funktioniert, nur eben nicht der Flug nach Süd Amerika, die Maschine ist in Sydney hängen geblieben, warum auch immer.

 

Santiago de Chile, 20:10 Uhr

Ja und welchen Tag habe ich jetzt hier? Den 1. Dezember oder noch den 30. November? Von Auckland bin ich letztendlich um 0:10 am 1.Dez. gestartet, 6 Stunden Verspätung. Geflogen bin ich über 11 Stunden und warte jetzt noch auf den umgebuchten Flug nach Buenos Aires. Dort soll die Maschine um 23:40 noch am 30. November landen, hier startet sie um 21:40, am 30. November! Klingt ziemlich verrückt und welchen Tag habt ihr in Deutschland gerade, ich glaube schon den 1. Dezember 00:16 sagt meine Weltuhr auf dem Iphone.

Die letzte Mahlzeit, die ich eben gerade im Anflug auf Santiago bekam war Frühstück, nach einer zwangsweise verdunkelten Nacht, hier ist jetzt schon Afterdinner Time. Wie auch immer, wenn ich endlich in Buenos Aires ankomme und hoffentlich von Sergio von der Casa Los Angelitos abgeholt werde, ist schon tiefe Nacht. Hoffentlich werde ich um diese Zeit auch schlafen können.

Den nächsten Schritt werde ich auch noch schaffen, etwas bedaure ich, dass ich nicht schon hier in Santiago aussteigen konnte. Die Menschen auf dem Flughafen singen bei der Arbeit und Santiago de Chile scheint nicht gleich so ein riesen Sprung aus der Natur von Neuseeland zu sein. In 2 ½ Monaten muss ich irgendwie hier wieder gelandet sein, ein weiterer Flug nach Lima startet von Santiago.

Was für eine spannende Zeit liegt nur vor mir – herrlich, fantastisch und aufregend.

1.Dezember, in Buenos Aires

Schon der zweite Tag startet gerade für mich in Buenos Aries. Gelandet bin ich nach dem endlos scheinenden Flug letztendlich um 0:30 Uhr am 1. Dezember. Auf unglaublich herzliche Weise wurde ich von Sergio und einer Freundin, die zu Besuch war abgeholt, in der Casa I los Angelitos kam ich nachts um 02:00 Uhr an. Mitten in der Stadt, ganz in der Nähe des Plaza del Congreso liegend und trotzdem ruhig. Man geht durch eine kleine vergitterte Tür zwei Stockwerke hinauf und gelangt in einen großen langgezogenen mit Blumen und Grünpflanzen ausgestatteten Patio. Von hier geht es in mein Zimmer, ein weiteres daneben ist gerade unbewohnt, sodass ich seit langem mal wieder ein Bad für mich alleine nutzen kann, was für ein Luxus.

Eine weitere Etage ist über den Patio zu erreichen, dort wohnen zur Zeit ein Kolumbianer und Anja aus Berlin. Sergio und seine Familie haben ihre Wurzeln ebenfalls in Deutschland, die Eltern seines Vater sind vor endlosen Jahren nach Buenos Aires gekommen. Sein Vater ist schon hier geboren, verheiratet ist er mit einer Argentinierin. Auf der anderen Seite des Patios leben sie alle zusammen.

Rudolfo, Vater von Sergio spricht zu meinem großen Erstaunen ein Akzent freies Deutsch, seine Mutter versteht unsere Sprache, traut sich wohl nicht zu sprechen. Sie ist eine liebenswerte ältere Dame. Sergio spricht auch Deutsch, allerdings mit spanischem Akzent. Eine Schwester von ihm lebt in Wolfsburg, seine Tochter in Nürnberg. So ist diese Familie meist einmal im Jahr in Deutschland, für mich ein purer Zufall.

Allerdings begegnet man den deutschen Spuren hier in Buenos Aires ziemlich häufig. In einer Buchhandlung bin ich über Bücher, ausgelegt auf einem großen Tisch aus dem dritten Reich in Spanisch geschrieben, gestolpert, was mich schon etwas irritiert hat. Beim Umherlaufen durch die Stadt hörte ich immer wieder sehr enthusiastisch Deutsch sprechende Argentinier, die deutschen Touristen ihre Stadt erklärten. Ich wurde ganz neidisch angesichts dieses Elans.

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Der Patio der Casa Los Angelitos

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Damian, die Hausschildkröte seit 45 Jahren.

Wieder zurück in der Casa. Das Haus ist im Stil unserer Gründerzeit 1910 gebaut, noch im Bad sind alte Spuren davon in Original vorhanden. Im Patio läuft eine kleine Schildkröte, Damian frei umher, sie ist schon 45 Jahre alt und lebt auch seitdem hier und zwei Tauben fliegen einem dicht über den Kopf hinweg. Eine moderne Küche nutzen alle Bewohner gemeinsam mit der Familie, die es sich nicht nehmen lassen den Abwasch für uns zu übernehmen, sehr ungewohnt für mich. Draußen steht ein langer Tisch, den wir uns ebenfalls teilen, gerade sitze ich mit Anja hier und wir schreiben unsere Erlebnisse auf. Anja ist eine begeisterte Tango Tänzerin, die in Berlin einer großen Tango Gemeinschaft angehört und heute Abend geht sie zum ersten Mal in einen Club.

Meine erste Nacht war entsprechend kurz, um 2:30 lag ich endlich in einem weichen Bett, für mich ein Genuss nach Wochenlanger brettharte Unterlage im Auto. Um gleich in den richtigen Tagesrhythmus zu kommen stand ich trotzdem schon um acht Uhr erstaunlich frisch wieder auf. Das größte Problem was ich hier noch nicht lösen konnte, ist an die Pesos zu kommen. Bargeld, am besten in Dollar ist hier sehr gefragt. Mit der Karte Geld bei der Bank zu bekommen ist möglich, allerdings nur in kleinen Summen und zu einem denkbar schlechten Kurs, während man für Bargeld 20 – 30 % mehr bekommt. Auf dieser Weltreise besitze ich natürlich kein Bargeld, alles was wertvoll ist habe ich zu Hause gelassen, außer meiner Technik.

Wie es allerdings aussieht beleibt mir nichts anderes übrig jeden Tag eine Summe X, die ich bei der jeweiligen Bank bekomme abzuheben, um meine Reise auch bezahlen zu können. Schon meine Miete zu zahlen, die hier Wochenweise bezahlt wird, kann zu einem Problem werden.

Den ersten Schritt vor die Tür setzte ich um mein Frühstück einzukaufen, eine Anfangs aufregende Aktion. In der Nacht sah die Stadt zwar ruhig aus, doch schien sie für mich unendlich groß und unübersichtlich zu sein, alles sah gleich aus. Widererwarten kam ich recht schnell zurecht. Das Straßensystem ist sehr logisch zwischen den Häuserblocks aufgebaut und im rechteckigen und mit einem tausender Nummernsystem versehen. Wenn man sich die Richtungen einprägt und einige Hauptstraßen merkt, findet man sich sehr schnell zurecht.

Carefour ist hier eine der Supermarktketten, die ich bisher nur in Frankreich kennen gelernt habe. Doch in den vielen kleinen Geschäften, denen man hier begegnet sieht das Obst und Gemüse frischer aus. Auch im Supermarkt konnte ich nicht mit meiner Karte bezahlen, meinen Reisepass wollte die Kassiererin dazu sehen, den habe ich gut verschlossen in meinem Zimmer gelassen.

Nach meinem Frühstück machte ich mich in Richtung Plaza del Congreso auf, nicht weit entfernt von meiner Casa. Dazu läuft man auf Av de Mayo, einer der Hauptstraßen, die direkt bis zum Plaza de Mayo mit der Casa Rosada, dem Präsidentensitz führt, also mitten im Herzen von Buenos Aires.

Eine großartige und unsagbar interessante Stadt öffnete sich vor meinen Augen, mit unsagbar vielen klassizistischen Gebäuden, eingerahmt mit der Moderne unserer Zeit. Gewarnt wurde ich von vielen Menschen vorsichtig mit meinen Sachen zu sein. Also landete mein Iphone im Hosenbund, meine Finanzen verteilt an mir und die Kamera blieb erst mal zu Hause. In meiner Tasche befand sich mein Reiseführer und wertloser Kleinkram. So fühlte ich mich gut präpariert und frei, durch mein Aussehen falle ich nicht unbedingt als Touristin auf. Eines habe ich allerdings ziemlich schnell erfahren müssen, mit Englisch kommt man hier nicht sehr weit. So muss ich mir schnell einige Redewendungen im Spanischen aneignen, damit ich die nächsten Monate zurecht komme.

Die Plaza del Congreso und Plaza de Mayo sind sehr beeindruckend, der Palacio del Congreso mit seiner grünen Kuppel ist dem Capitol in Waschington nach empfunden, die Monumente auf diesem Platz sind jeweils Meilensteine für die Unabhängigkeit Argentiniens. Auf dem Plaza de Mayo läuft man direkt auf die Casa Rosada mit ihrer rosa Fassade zu, sie ist der heutige Sitz der „Präsidenta“ Cristina Kirchner, die allerdings nur noch bis zum 10. Dezember an der Regierung ist. Weiter befindet sich auf diesem Platz die Banko de la Nation und die Catedral Metropolitana, alles sehr beeindruckende Gebäude mit großem geschichtlichen Hintergrund. Von den Balkonen der Casa Rosada hielten u.a. Evita und Juan Peron viele ihrer legendären Ansprachen an das euphorische argentinische Volk, auch Madonna, die in dem Film Auf die Frage hin, ob viele Argentinier diesen Film auch gesehen haben, hieß es nur, nein keiner mochte Madonna.

Auch mir begegnen hier ständig politische Szenen, vor der Vergitterung der Casa Rosada warteten viele Fernsehjournalisten aus dem In- und Ausland. Überall wird man auf die politischen Ereignisse mit Plakaten und Graffitis aufmerksam gemacht und am Abend fand eine musikalische Veranstaltung auf dem Plaza del Corgreso statt, zusammen mit politischen Reden, Tango und Feuerjongleuren. Die Stadt fängt erst in der Nacht wirklich an zu leben, für mich alleine leider ein Problem, so spät ist es als alleinstehende Frau doch nicht mehr sicher auf den Straßen. Doch möchte ich dies natürlich auch gerne erleben, dazu werde ich mich irgendwo anschließen.

Auf dem Weg zur Casa saß ich sehr lange in einem der vielen berühmten Cafés „London City“, ein berühmter argentinischer Schriftsteller soll hier seinen ersten Roman geschrieben haben. Hier konnte ich die erstaunliche Disziplin der Argentinier kennenlernen, die nach Feierabend in mehreren Schlangen für die unterschiedlichsten Buslinien anstanden und einen Tag später bei den Banken, dort holen sie sich ihren ganzen Lohn in bar ab.

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Die Casa Rosada, der Präsdenten Palast

Für meinen ersten Tag war ich schon einmal tief beeindruckt von dieser vibrierenden Stadt Buenos Aires und bin froh, dass ich mir zwei Wochen Zeit genommen habe, um diese Kultur zu verstehen und erleben zu können.Buenos Aires_1Dez. 01 2015 Buenos Aires_1Dez. 01 2015 10 Buenos Aires_1Dez. 01 2015 5 Buenos Aires_1Dez. 01 2015 4

4. Dezember, in der Casa.

Meine Euphorie wird gerade ein wenig ausgebremst, die Klimaanlagen meines Mammutfluges haben es geschafft mich etwas außer Betrieb zusetzen. Schon gestern lief ich sehr verlangsamt gerade mal einige Stunden durch die Stadt, mein Kopf brummte, meine Stimme versagte mir fast und ein Schnupfen kündigte sich an.

In der Nacht ging es so richtig los, alles was man sich nicht wünscht, keine Stimme mehr und leider auch Temperatur. Dies hat mich nun endgültig Mat gesetzt. Ein paar Schritte vor die Tür zum Einkaufen traute ich mich schon. Mein Allheilmittel Ingwer brauchte ich dringend und ein paar Bananen.

Inzwischen haben wir Abend und mein Zustand, nach etlichen Ingwer Teekannen bessert sich und ich sitze wieder an meinem kleinen Schreibtisch direkt am Fenster, habe einige Fotos gepostet und schreibe.

Vorgestern, am 2. Dez. gingen Anja und ich zusammen in die Stadt, wir wollten uns das Viertel San Telmo anschauen. San Telmo ist eines der schönsten Stadtteile mit einem besonderen Charme, enge Gassen, kleine Kolonialbauten und sehr viele Zeugen aus vergangenen Zeiten, zwischen Straßenkämpfen und Künstlerviertel durchlebt dieser Teil von Buenos Aires noch einiges mehr. Auf dem Plaza Dorrego startet am Sonntag der Antiquitätenmarkt, der sich durch alle Straßen der Umgebung ziehen soll und in der Mitte sieht man täglich freie Tangoshows. Wir verbrachten dort einen herrlichen Nachmittag. Am Abend ging Anja zum Tangotanzen und ich setzte mich noch für ein kleines Dinner in das Restaurant direkt neben meiner Haustür.

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Gemeinsam mit Anja aus Berlin erkunden wir San Telmo

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Libertad begegnet man an vielen Häuserwänden

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Der Argentinier isst bis zu 60% Fleisch!

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und dem Tango ebenfalls

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Malfalda, ein Kindercomic seit 50 Jahren in BA

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Warum auch immer, in der folgenden Nacht machte ich kein Auge zu, der Hals machte sich immer stärker bemerkbar, schien auch mein Kopf nicht abschalten zu können, Jet Lack? Müde und etwas schlapp wollte ich trotzdem etwas unternehmen. Ich suchte mir eine völlig neue Gegend als Ziel aus, den Cemetario te la Recoleta, der Friedhof der Reichen und Berühmtheiten von Buenos Aires in den Stadteilen Retiro und Barrio. Einige Kilometer musste ich dorthin schon laufen, doch nur so erfährt man auch etwas von der Stadt. So kam ich zuerst an dem berühmten Teatro Colon, Weltklasse Forum für Oper, Ballett und klassische Musik. Ich wollte es gerne besichtigen, doch an diesem Tag war Beleuchtungsprobe und der Saal gesperrt. Vor dem Theater liegt ein großer Park, der Plaza Lavalle, ganz in der Nähe der Palacio de Justicia.

Aus welchem Grund auch immer, ich geriet direkt in eine Demonstration dort hinein, die nicht ganz harmlos schien. Es bollerte und donnerte mit Rauchfahnen umher. Erst hielt ich noch meine Kamera dorthin, bis mich ein Argentinier darauf Aufmerksam machte, dass ich doch lieber gehen sollte. Von weitem hörte ich es noch einige Male knallen, mehr ist nicht passiert, doch scheint dies ein wenig zum Alltag von BA zu gehören.

Langsam kam ich in das Viertel Retiro mit seinen schmucken Häusern und edlen Geschäften. Lunchtime, ich setzte mich ins Café Josephine und tat es den anderen gleich, machte dort Lunch wie die vielen Geschäftsleute und Anwohner, alles sehr viel lockerer als bei uns und die Preise günstig.

Das Café lag auf einem kleinen Platz, von allen Richtungen kamen die Autos, allerdings wie überall in dieser Stadt als Einbahnstraßen. So wimmelte es ziemlich um mich herum. Busse und Taxis gaben sich hier die Klinke, beides muss man sich heran winken. Mit den Buslinien muss man sich gut auskennen, sie alle tragen große Nummern. Habe ich schon geschrieben, dass auf jedes Taxi 68 Leute kommen, in NY 780 je Mensch?

Wieder etwas erholter ging ich weiter und kam an einen riesigen begrünten Platz, dahinter lag endlich der Recoleta Cemetery. Durch ein monumentales Tor gelangte ich nicht auf einen Naturfriedhof wie bei uns, nein ebenso monumentale Gebäude an beiden Seiten und in alle anderen Richtungen. Jede Familie hat hier sein eigenes Mausoleum, gebaut aus schweren sehr unterschiedlichen Gestein und mit berühmten Namen versehen. So gelangte ich auch zu der großen Grabstätte der Familie Duarte und natürlich „Evita“. Die einzige Grabstätte, die mit Blumen geschmückt ist, die vielen ausländischen Besucher stecken Blumen in die Tür, auch an diesem Tag wimmelte es hier nur so vor Menschen. Evita bleibt trotz vieler Fehler ein Idol.Buenos Aires_1Dez. 03 2015 10 Buenos Aires_1Dez. 03 2015 9Buenos Aires_1Dez. 03 2015 7

Zum ersten Mal sah ich die Busse mit Touristen hier vorfahren, bisher gab mir BA eher das Gefühl eine von wenigen zu sein, doch da irrte ich nun völlig.

Nun musste ich den ganzen Weg wieder zurück laufen, meine armen Füße, Müdigkeit machte sich auch kräftig breit. Ich entschied mich für einen völlig anderen Weg, die AV Callao, die schier kein Ende zu haben schien, doch eine der vielen Geschäftsstraßen ist, somit sehr überfüllt.

Froh über diesen Tag, doch völlig erledigt legte ich mich ohne essen nur noch in mein Bett, dass ich heute erst gegen Mittag wieder verließ. Morgen werde ich wieder unternehmungslustig sein!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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