„Und plötzlich bin ich in Chile!“

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Puerto Natales in Chile

Puerto Natales_Jan. 10 2016

Typische Häuser in Puerto Natales

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Des Seefahrers Heiliger

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Die Schwäne haben hier schwarze Hälse

9. Januar, im Bus Richtung Puerto Natales in Chile, von El Calafate kommend.
Schon wieder sind reichlich angefüllte Tage vergangen, ohne eine Silbe geschrieben zu haben. Dies mit aktiven Reisen in Einklang zu bringen ist eine Aufgabe, die ich auf meiner Reise nicht wirklich gut bewältige. Seit dem Ende meiner Antarktiks Tour vor gerade einmal 6 Tagen bin ich dauernd unterwegs. Die ersten zwei Tage verbrachte ich noch in Ushuaia mit Schreiben und Uploaden meiner Fotos in den Blog und auf Facebook. Am 5. Januar bin ich nach El Calafate geflogen. Von dort aus machte ich jeden Tag unterschiedliche Ausflüge per Bus in alle Richtungen, frühes Aufstehen inbegriffen. Ein Unterfangen, dass mich leider inzwischen in einen Zustand der Dauermüdigkeit versetzt hat. Ja und nun sitze ich schon wieder seit Stunden – bisher halb schlummernd – im Bus Richtung Chile nach Puerto Natales. Von dort werde ich in zwei Tagen wieder ein Schiff besteigen und die Patagonische Fjordlandschaft 4 Tage lang bei hoffentlich gutem Wetter bewundern – sie sollen großartig sein.
Nachdem ich in Ushuaia fast alle Cafés mit Internetanschluss zwei Tage lang dauer besucht hatte, bestieg ich am Nachmittag mal wieder ein Flugzeug. Ich wollte das riesige Südamerika nicht nur mit dem Bus durchfahren, auch wenn ich mehr zu sehen bekäme, es dauert einfach zu lange. Der Flug nach El Calafate, mein ausgesuchtes Ziel, dauerte gerade einmal eine Stunde, mit dem Bus wäre ich 18 Stunden unterwegs gewesen, preislich genau gleich.
So landete ich sehr schnell auf einem neuen Flughafen mitten in der Pampa, wie es so schön heißt. Im Nichts, nur trockene Steppe und zwei voll besetzte Flugzeuge, die in das 23 km entfernte El Calafate gebracht werden möchten. Zwei Wege führen dorthin, Bus oder Taxi, beides gab es zu wenig. Das Busticket war schnell gekauft, Marco sollte mein Fahrer heißen, ja 20 – 30 Minuten kann es schon dauern! Zwei Stunden Wartezeit wurden daraus.
Dafür wurde ich direkt bei meinem außerhalb liegenden Hotel mit knurrenden Magen abgesetzt. Tasche rein und los laufen. Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung davon, dass ich in einem Touristenmagnet gelandet war. Zwei wunderschöne National Parks liegen in unmittelbarer Nähe, der Parque National Los Glacieres und der Tores del Paine. Die Hauptstraße war überfüllt mit Touristenshops, Restaurants und Ausflugsagenturen. Mich hat dies völlig erschlagen, wollte ich doch Ruhe und Natur die nächsten Tage genießen.
Bei all diesen Nervenanstrengungen gelüstete mir nach einem saftigen Steak, obwohl es schon 21 Uhr war. Ein nettes, überfülltes kleines Restaurant fand ich schnell, auf die Bedienung musste ich etwas länger warten. Dafür bekam ich eine saftiges Rumpsteak in argentinischer Normgröße, doppelt so groß wie bei uns üblich, einen Rotwein und etwas Salat. Mehr brauchte ich an diesem Abend nicht zu meinem Glück.
Ziemlich müde fiel ich in mein Bett und schlief seit langem wieder einmal mit weit geöffnetem Fenster, die Temperaturen klettern hier wieder etwas in die angenehmere Skala von über 20 Grad und Sonne. Um fünf Uhr fing ein Hahn an kräftig den Sonnenaufgang zu begrüßen, oh welch eine Freude, dies tat er für mich drei Nächte lang. Fenster zu und nichts hören wollen, doch mein Schlaf war damit vorbei. Ein Phänomen auf dieser Weltreise, wenn ich erst einmal wach geworden bin, ist meine Nacht zu Ende. So bin ich zur Frühaufsteherin geworden.
An dem ersten Morgen wollte ich nur laufen, gesessen hatte ich die letzten Wochen genug. Plattfüße bekam ich an diesem Tag, von morgens bis abends unterwegs. Erst die Stadt erkunden, dann über eine schrecklich lange und hässliche Avenuda Cristina Kirchner Promenade, die schon einmal bessere Zeiten gesehen hat, bin ich in der Laguna Nimez, einem Natur Reservat direkt am Lago Argentina gelegen, gelandet. Dort traf ich zur gemeinsamen Überraschung mehrere meiner Antarktika Truppe. Schweizer, mit denen ich mich oft und gerne unterhalten hatte und zwei aus einer Gruppe Israelis, sehr nette Begegnungen.
Am Ufer des Lago Argentinas saßen in einiger Entfernung Flamingos zusammen mit den hier üblichen Schwarzhals Schwänen. Nach der Antarktis Tour bin ich doch sehr verwöhnt, sodass dieser Park mich nicht wirklich überraschte, doch die Ruhe tat mir sehr gut.
Für die nächsten zwei Tage hatte ich mir direkt bei der Busstation zwei Ausflüge gebucht, so habe ich die teuren Agenturen umgangen. Zuerst besuchte ich mit einer Nachmittagstour den unglaublich schönen Perito Moreno Gletscher, unglaublich groß und mit einer wunderschönen Struktur ausgestattet. Große Balkone bringen einem direkt zu dem noch wachsenden Gletscher. Es kracht und knackt ständig, ab und zu fällt mit lautem Donner ein großes Stück in den Fluss, der Gletscher kalbt. Herrlicher Sonnenschein ließ die Farben herrlich klar leuchten. Ein schöner Ausflug!

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Der Perito Moreno Gletscher …..

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El Chaten, Fritz Roy_Jan. 07 2016

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Vor meiner Nase brach ein großes Eisstück krachend ab.

Gestern Morgen saß ich um acht Uhr schon wieder im Bus, dieses Mal für dreieinhalb Stunden. Die Fahrt ging nach El Chaten im Glacieres NP, ein Wandereldorado besonders für die Backpacker.
Wieder schien die Sonne, sodass das eigentliche Ziel, die besonders schönen und berühmten Bergspitzen des Fritz Roys klar zu erkennen waren. Ich machte dort eine 5-stündige Wanderung, die Mirador Maestri bis zur Laguna Torre hinauf. Von dort hatte ich einen herrlichen Blick auf den Cerro Fritz Roy und den Cerro Torre, daneben lag wieder ein Gletscher, der allerdings nicht mit dem gestrigen zu vergleichen war.
Wieder traf ich auf die jungen fotografierenden, schweizer Wissenschaftler Jan und Christoph. Beide waren auch mit in der Antarktis. Jan besitzt die beste Canon Ausrüstung, die sicher auch meinem Sohn Paddy gefallen würde. Später am Abend saßen wir auch noch gemeinsam im Bus nach El Calafate. Wieder ging ein wunderschöner Tag sehr spät zu Ende.

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El Chaten mit dem Cerro Torre und dem Fritz Roy.

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Eine wilde Orchidee am Wegesrand.

El Chaten, Fritz Roy_Jan. 08 2016

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Antike Fahrzeuge trifft man öfter an.

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Ein Backpacker Eldorado.

Warum sitze ich nun schon wieder seit acht Uhr im Bus? Etwas zu früh hatte ich vor zwei Tagen das Bedürfnis, schneller nördlich durch Patagonien zu ziehen, um irgendwann in Peru zu landen. Schon Santiago de Chile liegt von hier Luftlinie nur noch 3.500 km entfernt. Von dort habe ich einen Flug nach Lima mit meinem One World Ticket. Um nicht nur im Bus zu sitzen oder zu fliegen, habe ich mich für das Schiff, eine Fährfahrt durch die Fjordlandschaft Patagoniens an der Küste von Chile entschieden. Da die Plätze schnell ausgebucht sind, musste ich mich schnell entscheiden, eine Koje in einer Mini Dreierkabine war noch frei, ohne Fenster – und das mir! Vier Nächte und vier Reisetage bringen mich etwas nördlicher bis nach Puerto Montt. Dort werde ich wieder über Land reisen, in Chile und Argentinien.
Diese Fähre fährt nun von Puerto Natales in Chile am Dienstag ab, Check-in ist schon am Montag. So bin ich nun schon wieder unterwegs, ziemlich aus der Puste und mit großer Sehnsucht nach tiefem Schlaf und Ruhe; in den nächsten Tagen wird da wohl nichts draus.
Mein heutiges Ziel rückt schon etwas näher, die Landschaft hat sich von der endlosen Steppe inzwischen in kleine Hügel verwandelt, am Rande der Anden – diese werden mich noch lange durch Süd Amerika begleiten!
10. Januar, in Puerto Natales in Chile
Mein zweiter Tag in Chile neigt sich dem Ende zu. Noch sitze ich in meinem alternativen Eco B&B mitten in der staubigen Pampa am Rande von Puerto Natales in einem gemütlichen Hängekorb, vor einem Panorama Fenster mit Blick auf den Anden Rand, seitlich von der Sonne gewärmt.
Wider Erwarten bin ich schneller in Chile gelandet, meinem zweiten Südamerika Land. Gestern, nach einer langen Bustour kamen wir endlich an die chilenische Grenze, 20 km vor Puerto Natales. Wir mussten alle aus dem Bus aussteigen, unser Gepäck mitnehmen und zum Scannen abstellen, doch erst ging es zur Passkontrolle. Wie viele Menschen passen in einen Bus hinein, 40, 50 Leute? Jeden Falls stand diese Menschengruppe nun stundenlang mit mir gemeinsam vor einem einzigen Schalter. Nichts bewegte sich, eine Familie stand davor und hatte irgendwelche Probleme. Später sah ich nur, dass sie wohl aus Russland kamen, vielleicht brauchten sie ein Visum, dies wird in Chile von einigen Ländern verlangt.
Durch diese Wartezeit kam ich allerdings mit einigen Mitreisenden, meist junge Leute, ins Gespräch. Ein junges Pärchen aus Belgien ist seit August für ein Jahr auf Weltreise, sie nehmen die Westroute, haben also alles noch vor sich, was ich schon gesehen habe und umgekehrt. Sie wollten noch bis Ushuaia und danach nach Australien.

Sie erzählten mir ihr Starterlebnis, dass mich erschauern ließ. Das erste Land, welches sie bereisten war Cuba. Dort fuhren sie mit einem Auto umher, plötzlich wurden sie heraus gezerrt! Ihnen wurde alles gestohlen, einschließlich ihrer Pässe, nichts war ihnen geblieben! Dies war in zwei Tagen schon die zweite Horrorgeschichte. Einen Tag vorher in El Chaten, traf ich auf eine junge Französin, die mir ihre Geschichte aus Brasilien zum Start ihrer neunmonatigen Weltreise erzählte. Sie wurde gleich für einen Tag und Nacht gekidnappt und ausgeraubt, einschließlich ihres Kontos. Sie hielten sie solange fest, bis sie zusammen mit ihr an ATM Maschinen das Konto geplündert hatten. Wie furchtbar! Sie war nur froh, heil davon gekommen zu sein und hat trotzdem den Mut aufgebracht, weiter zu reisen. Allerdings ist sie nicht mehr in Brasilien geblieben. Nun sind Brasilien und Cuba nicht auf meiner Reiseroute, doch in Südamerika herrschen andere Gesetze und Sitten. Bisher ist mir derartiges überhaupt nicht begegnet und dies wird auch so bleiben! Erhöhte Aufmerksamkeit ist geboten, dies bin ich schon seit langem gewöhnt. Der Gedanke, mir könnte meine gesamte technische Ausrüstung gestohlen werden, lässt mich tief erschauern. Nein, wird mir nicht passieren!

Endlich bewegte sich etwas, doch auch dieses Tempo war für einen Grenzübergang unglaublich. Nach knapp zwei Stunden konnten wir wieder unsere Gepäckstücke in den Bus schieben und fuhren weitere 10 Minuten bis zu einem modernen Busbahnhof.
Dort stand ich nun, mitten im staubigen und windigem Nichts; wo ist nun mein B&B? Die Information bekam ich von einem netten freundlichen Chilenen, außerhalb der Stadt, ich müsse ein Taxi nehmen. Ja, ich habe aber noch keine Chilenischen Pesos – könnte ich auch mit dem Argentinischen bezahlen.
So saß ich für ein paar Minuten im Taxi, wieder ein sehr freundlicher Taxifahrer brachte mich noch weiter in die Pampa, Gras und wehender Sand, wo ist denn eigentlich die Stadt? Andere Richtung!
Von außen sah meine neue Bleibe auch nicht wirklich einladend aus. Viele Fenster, etwas vergammelt und sehr einfach. Ok, ich wohne immer sehr einfach, das Einzige, was ich in Südamerika noch nicht ausprobiert habe, ist im Hostel zu wohnen. Ich kann mich nicht durchringen mit mehreren in einem Zimmer zu schlafen, dafür ist meine lange Reise einfach zu anstrengend, ab und zu brauche ich meine Ruhe. Die vielen jungen Leute treffe ich trotzdem auf meinen Ausflügen, sodass ich mich mit ihnen austauschen kann. Meist sind sie sehr überrascht, dass ich in meinem Alter, meist auch dem Alter ihrer Eltern, alleine um die Welt ziehe. Ihre Antwort ist immer die Gleiche, : “Meine Eltern würden dies niemals tun“! Und dann werde ich mit ihren Fragen bombardiert. Mir bringt es immer wieder sehr viel Spaß mich mit ihnen auszutauschen, sie sind alle sehr offen und interessiert. Durch meine eigenen erwachsenen fünf Kinder bin ich es gewöhnt mit vielen jungen Menschen zusammen zu sein und genieße dies auch sehr. Menschen meiner Altersstufe treffe ich meist nur als Urlaubsreisende und selten alleine. Frauen in meinem Alter kommen noch seltener vor, Weltreisende Fahrradfahrer sind mir schon begegnet oder Paare, die mit äußerst interessanten Wohnmobilen unterwegs sind, heute gerade zwei Franzosen.

Chile …. ! Von innen entpuppte sich meine Bleibe als wunderschön und gemütlich, alles mit Liebe einfach gestaltet und wieder sind es junge freundliche Leute, die dies bewirtschaften.
Freundlichkeit! Ja, die Chilenen sind unwahrscheinlich freundlich und höflich; wie ich das nach dem argentinischen Temperament genieße! Da wird gerast, Zebrastreifen sind Makulatur, die Straßen gehören den Autos, Ampeln sind ein notwendiges Übel und Lächeln, nur wenn man sich kennt, dann aber richtig!
Heute nach meinem zweiten Tag bin ich fest davon überzeugt, dass die Chilenen ein weit aus ruhigeres Volk sind, hier in diesem Teil wohl auch ein weit aus Ärmeres. Doch erscheinen sie mir sehr viel zufriedener zu sein, auf der Straße werde ich fast wie in Australien freundlich angelächelt. Wie gut mir dies wieder tut, es ist so viel schöner lächelnd durchs Leben zu gehen. In Argentinien habe ich die Sonnenbrille aufgesetzt, so konnte ich „verdunkelt“ die Menschen beobachten – eine geheime Spezialität meiner Reise.

Zwei Tage lassen allerdings noch nicht wirklich ein festes Urteil zu. Mein gestriger, erster Gang in die Stadt war alles andere als entspannt. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich hochgradig angestrengt und müde. Die letzten Tage waren einfach zu viel. Trotzdem lief ich wie überall zu Fuß los. Für mich ist dies fast ein Muss in jeder neuen Umgebung. So bekomme ich langsam ein Gefühl für den Platz an dem ich mich befinde und für die Orientierung ist die Eroberung zu Fuß langsam genug – meistens!
Ich bekam eine Kopie einer kaum lesbaren Karte von meiner Bleibe in die Hand, mit ein paar kurzen Erklärungen, zurück bis zum Busbahnhof und dann links, da beginnt die Stadt. Ok, das klingt ja einfach.
Vor dem Haus ist die Straße nicht asphaltiert, dies ist wohl normal für Chile, wurde mir gesagt. Der starke Wind trieb mir den Staub in die Augen, also wieder die Sonnenbrille aufsetzen. Geradeaus und dann links!
Merkwürdig, wo ist nur dieser Busbahnhof geblieben? Links abbiegen, nein diese Straße sah mir nicht sehr sympathisch aus. Die Häuser sehr klein und verbarrikadiert, sah eher wie ein ärmeres Viertel aus. Nein, da wollte ich nicht lang laufen. Rechts, links, bergab in Richtung Wasser ist meist für mich die Lösung. Am Wasser befindet sich der Hafen und meist beginnt von dort die Innenstadt.
Ziemlich angespannt lief ich durch die Straßen, kein Gefühl für diese Gegend, für diese Menschen; ich fühlte mich seit langem unsicher.
Endlich entdeckte ich eine Kirchturmspitze, Kirchen liegen auch immer in der Stadt, also dorthin. Ach, nur eine kleine. Hatte ich nicht von einer Kirche gelesen, die ich mir unbedingt anschauen sollte? Links, rechts, bergab. Plötzlich kamen mir Backpacker entgegen, die wollen bestimmt zum Busbahnhof und kommen von den Hostels, die alle in der Stadt liegen, soviel hatte ich noch gelesen. Also gut, weitergehen. Langsam entspannte sich mein Körper, nur der Hunger machte sich breit, zwei Mini Croissants und Wasser waren bis zum Nachmittag meine einzige Nahrung.
Häuser blieben weiter so bescheiden und mit großen Zäunen umgeben, doch all die Menschen, die mir begegneten waren freundlich, Zebrastreifen werden hier beachtet. Man braucht nur an der Straße zu stehen und schon hält das Auto an. Wo gibt es denn so etwas?
Kleine Geschäfte tauchten auf und Weihnachtsschmuck in den Schaufenstern und in den Privathäusern, feiern die Chilenen immer noch Weihnachten? Auch in meinem B&B steht noch ein Weihnachtsbaum mit roten Kugeln, ein unechter! Da ist ein hoher Kirchturm mit einer wunderschönen Kirche, an einem großen Platz mit Springbrunnen gelegen. Ich war endlich in der Stadt angekommen, Entspannung!
In den kleinen Straßen wimmelte es von jungen Leuten, Chilenen und aus aller Welt. Ein buntes Bild in einer sehr kleinen Innenstadt. Ich fand auch den Hafen, eher eine Anlegestelle, doch der Blick auf die dahinter liegenden großartigen und schneebedeckten Berge war fantastisch. Der Wind blies mir so kräftig entgegen, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte, doch das Licht war ein Fototraum; leider nur mein Iphone dabei. Dies ist auch eines meiner Reisegesetze. Beim ersten Erkunden bleibt die Kamera immer gut verschlossen in meinem jeweiligen Zuhause und mein Iphone meist im Hosenbund, im Rucksack mein Notizbuch.
Nach all meinen Erkundigungen brauchte ich etwas zum Essen, eine Kochgelegenheit habe ich gerade nicht. Die Restaurants machen hier erst sehr spät auf, eigentlich wollte ich mich für diesen anstrengenden Tag etwas belohnen. Ich fand eine kleine Pizzeria, diese gibt es fast überall, außer in den asiatischen Ländern meiner Reise.
In der Pizzeria befand sich ein gut 20 m langer Tisch mit Bänken davor. Was für eine schöne Idee an diesem entfernten Ort mit so vielen Touristen. Nach kurzer Zeit saß ich mit mehreren jungen Pärchen aus den unterschiedlichsten Ländern zusammen, tief in Gespräche verwickelt, Pizza wurde kalt gegessen. Sie kamen aus Polen, Belgien und den Niederlanden, reisten einen Monat, drei Monate und ….! Was, und du reist ein Jahr alleine um die Welt? Dürfen wir fragen wie alt du bist? Klar doch, 61!
So und so ähnlich ergeht es mir fast überall auf der Welt, ist das nicht fantastisch! Junge Menschen, die sich gerne mit mir austauschen. Wenn ich zu Hause in meinem Garten wühle machen sie lieber einen großen Bogen um mich.
Glücklich und sehr zufrieden marschierte ich wieder zu meiner Bleibe zurück, dieses Mal mit der richtigen Orientierung – erst der Busbahnhof, dann links!
In mein Bett eingekuschelt, mit Panoramablick auf eine Bergkette, die noch leicht von der Abendsonne beleuchtet war, schaute ich mir zum ersten Mal über das Internet einen Krimi auf ZDF an. In dieser Pampa stehen besonders viele Sendemasten. Ja, und dies tat mir richtig gut. Nichts denken, einfach nur berieseln lassen – nach neun Monaten zum ersten Mal!

Heute Morgen kein Termin, kein Weiterziehen, nichts geplant, nichts vor!
Sonntag und gutes Internet, das ergab nach langer Zeit die Möglichkeit mit meinem Sohn Paddy zu Skypen, lange zu Skypen! Auch dies war Labsal für meine gerade einmal angestrengte Seele. Nein, einsam fühle ich mich nicht, dafür habe ich viel zu nette Erlebnisse, nur zur Ruhe kommen nach der erlebnisreichen Zeit der letzten Wochen in der Antarktis und gleich wieder Weiterziehen, zu viele Eindrücke haben mich einfach nur erschöpft!
Danach nahm ich heute meine Kamera mit und lief in gemütlichem Tempo bis in die Stadt, trank mittags einen Cappuccino und aß einen großen Salat. Gestärkt lief ich an die Küste zum kleinen Hafen, dort machte ich mich bis zum Abend auf Fotopirsch.
Plötzlich war ich wieder in meinem Element, entdeckte sehr kreative Motive, viel Schrott in grandioser Landschaft. Schiffleichen, Häuserreste, kreative Graffitis, Rost und Modernes eher Lebloses – Chile!

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Graffitis und Abgelegtes ….

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und Modernes …

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Himmelwärts ….

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….

Glücklich und entspannt sitze ich immer noch in meinem Hängekorbstuhl, die Sonne ist langsam untergegangen, die Nacht noch nicht wirklich dunkel. Je näher ich am Südpol bin, desto weniger wird es dunkel im „polarischen“ Sommer.

11. Januar, Puerto Natales

Schonzeit ist vorüber in diesem netten Eco B&B. Schon die heutige Nacht bis zum Freitag teile ich mir mit zwei anderen Frauen eine sehr kleine Dreierkabine, die auch noch Fensterlos ist. Augen zu und durch. Belohnt werde ich hoffentlich wieder mit Sonne und laut Ankündigung, grandiosen Ausblicken in die Fjordlandschaft. Irgendwann in der morgigen Frühe geht die große Fahrt durch die Chilenischen Fjorde los. Genaueres lässt sich angesichts eines heftigen Sturmes nicht sagen, so die Aussage der Check-In Mitarbeiterin.

Der Himmel sieht gerade sehr bedrohlich aus, noch sitze ich im Warmen mit Panoramablick. Die Sonne versteckt sich gerade hinter den dunklen Wolken. Spannend und aufregend wieder einmal!

12. Januar, noch in Puerto Natales!

Der heftige Sturm, der aus der Antarktischen Richtung hier hinauf blies, hat den Fahrplan der Fähre völlig durcheinander geworfen. Um 22 Uhr gestern Abend durften wir Wartenden uns ein Bleibe für die Nacht suchen, ein ziemlich schwieriges Unterfangen in der Hochsaison an diesem Platz. Ganz schnell stieg ich in ein Taxi, die hier sehr günstig sind und ließ mich wieder zu meinem Eco B&B bringen. Mein kleines Zimmer war schon vergeben, nur ein Doppelzimmer war noch frei. Glück gehabt, allerdings zu einem höheren Preis. Nun soll es heute los gehen, um 12 Uhr am Fähranleger. Der Wind hat nachgelassen, sodass ich davon ausgehen kann, dass das Schiff auch ablegt. Flexibel und vor allem ruhig muss man auf einer Reise dieser Art sein können!

 

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